Donnerstag, 26. Februar 2015

Verfälscht der städtische Wärmeinseleffekt die globalen Temperaturkurven? Teil 2

Den ersten Teil finden Sie hier.

In diesem zweiten und letzten Teil wollen wir uns anstatt der globalen Temperaturkurven zuerstmal nur die Landtemperaturkurven ansehen, um zu sehen, ob dort der Wärmeinseleffekt die Temperaturkurven verfälscht.

http://www.woodfortrees.org/graph/rss-land/mean:12/plot/crutem3vgl/from:1979/mean:12/plot/none


Wir sehen hier RSS Land und CRUTEM3, das sind nur die Landdaten, die im bekannten HACRUT3 enthalten sind.

Und rein oberflächlich betrachtet, scheinen die beiden Kurven nach 2000 etwas auseinanderzulaufen. Schauen wir uns mal den Trend an:

http://www.woodfortrees.org/graph/rss-land/mean:12/plot/crutem3vgl/from:1979/mean:12/plot/rss-land/trend/plot/crutem3vgl/from:1979/trend/plot/none



Die beiden Trends laufen etwa auseinander, und zwar um 0.12°C. Das ist schon etwas mehr als bei den Globaldaten (Land und Ozean).

Wir schauen uns jetzt wieder die geteilten Trends vor und nach der Jahrtausendwende an.

http://www.woodfortrees.org/graph/rss-land/mean:12/plot/crutem3vgl/from:1979/mean:12/plot/rss-land/from:2002/trend/plot/crutem3vgl/from:1979/to:1997/trend/plot/rss-land/to:1997/trend/plot/crutem3vgl/from:2002/trend



Ein ähnliches Bild wie bei den Globaltemperaturen, nur die Trends laufen nach 2000 noch stärker auseinander.

Die Werte:
0.25°C Unterschied vor 2000
0.37°C Unterschied nach 2000
das sind wieder 0.12°C Temperatursprung bei den Bodendaten.

Aber nun kommt etwas Interessantes: Der Abstand zwischen beiden Trends ist 1997 genau gleich wie 2002. Erst ab da öffnet sich die Scheere. Und zwar um ein volles Zehntel Grad in nur 12 Jahren!

http://www.woodfortrees.org/graph/rss-land/mean:12/offset:0.22/plot/crutem3vgl/from:1979/mean:12/plot/rss-land/from:2002/trend/offset:0.22/plot/crutem3vgl/from:1979/to:1997/trend/plot/rss-land/to:1997/trend/offset:0.22/plot/crutem3vgl/from:2002/trend


Ich habe die RSS-Daten hier um 0,22°C nach oben verschoben, um den Unterschied deutlicher zu machen. Was hat diese Schere verursacht?

Der Wegfall der ländlichen Stationen war in den achtziger und neunziger Jahren, die Umstellung auf elektronische Thermometer war kurz nach der Jahrtausendwende abgeschlossen. Das könnte mit der Spreizung von ca. 0.05°C vor 2000 dargestellt werden.

Danach bleibt nur noch der Wärmeinseleffekt. Oder dauerte die Thermometerunstellung weltweit doch länger?

Ich schließe mal die Thermometerumstellung kategorisch davon aus, dass sie jemals signifikant zum Erwärmungstrend beigetragen hat. Denn der Unterschied von Elektronik zu Glas besteht nur, dass die Elektronik schneller reagiert als Glas. War mit Glas eine Temperatur bestimmte Temperatur erreicht, dann hat sie auch wieder gestimmt.

Auch der Wegfall der ländlichen Stationen ist nicht nachweislich Schuld an einer Temperaturerhöhung der Daten.

Es ist durchaus nachzuvollziehen, dass der Wärmeinseleffekt an dem 0.05°C Anstieg von 1979 bis 1997 schuld ist. Und vielleicht der selbe Betrag nochmal nach 2000. Aber hier geht es um einen stärkeren Anstieg.

Wir wollen mal die Satellitendaten mit andere Temperaturkurven vergleichen.

http://www.woodfortrees.org/graph/rss-land/mean:12/offset:0.22/plot/crutem4vgl/from:1979/mean:12/plot/rss-land/from:2002/trend/offset:0.22/plot/crutem4vgl/from:1979/to:1997/trend/plot/rss-land/to:1997/trend/offset:0.22/plot/crutem4vgl/from:2002/trend/plot/none



CRUTEM3 wurde hier durch CRUTEM4 ersetzt. Letzter Datensatz wurde statstisch anders bearbeitet, mit folgendem Ergebnis:

  • Die Spreizung vor 2000 erweitert sich auf 0,1°C, also auf das Doppelte. 
  • Der Temperaturunterschied springt von 1997 auf 2002 um 0.17°C, also um 0,12°C höher als vorher.
  • Die Schere öffnet sich auf 0.32°C Unterschied, es kommen nochmal 0.15°C hinzu. 
Könnte dieser hohe Wert von der statistischen Bearbeitung herstammen?

Doch machen wir mal die Gegenprobe mit einer anderen Landtemperaturkurve.



BEST ist eine wieder anders statistisch bearbeitete Temperaturkurve. Sie geht nur bis 2010. Hier fällt vor allem der große Unterschied zwischen 1997 und 2002 auf: 0.25°C mehr als der eigene Wert und 0.35°C mehr als RSS.

Allerdings fällt danach die Temperatur recht parallel mit der RSS-Kurve.

Es gibt auch statistisch besonders bearbeitete Global-Kurven incl. Ozean-Temperaturen. Wir vergkeichen daher RSS Land und Ozean mit GISSTEMP von der NASA.

http://www.woodfortrees.org/graph/rss/mean:12/offset:0.33/plot/gistemp-dts/from:1979/mean:12/plot/rss/from:2002/trend/offset:0.33/plot/gistemp-dts/from:1979/to:1997/trend/plot/rss/to:1997/trend/offset:0.33/plot/gistemp-dts/from:2002/trend/plot/none



Hier sieht man wieder die erhöhte Spreizung von 0,1°C vor 2000,
eine um 0,05°C erhöhte Differenz zwischen 1997 und 2002, sowie eine Schere, die um 0,15°C auseinander läuft, auf 0,3°C Unterschied.

Man beachte: Das alles trotz des dämpfenden Ozeans! Wie sehen bei GISS dann die reinen Landkurven aus? Die gibt es leider nicht auf WFT.


Das Fazit dieser Beobachtung:
  1. Zwischen globalen (Land und Ozean) Satellitendaten und Oberflächen-Messungen lassen sich leichte Unterschiede von ca. 0,02°C pro Jahrzehnt erkennen, die sich durch den städtischen Wärmeinsel-Effekt erklären lassen.
  2. Bei reinen Land-Daten erhöht sich dieser Wert auf ca. 0,05°C pro Jahrzehnt.
  3. Damit ist der UHI zwar in den Daten ersichtlich, beinflusst aber nicht wesentlich die Darstellung des globalen Erwärmungstrends.
  4. Der vorhandene UHI lässt sich im Unterschied zwischen bewährten Boden-Temperaturkurven und Satelliendaten beobachten, hiermit ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild dieser Datensätze.
  5. Werden hingegen neuere Datensätze wie HADCRUT4, CRUTEM4, BEST und GISSTEMP genommen, ergeben sich unerklärliche Temperaturunterschiede zur gemessenen Satellitentemperaur, die sich nicht durch natürliche Effekte und auch nicht durch den Wärmeinseleffekt erklären lässt.
  6. Während im 20. Jahrhundert die Temperaturunterschiede zwischen Satelliten und oberfläche im Hundertstel-Bereich lagen und praktisch vernachlässigbar waren, haben sich diese Unterschiede im 21. Jahrhundert verfünffacht. Das ist mit keinem natürlichen Effekt zu erklären.
  7. Daher ist anzunehmen, dass die statistischen Methoden (Justierung) der genannten Temperaturreihen unangemessen sind und zu einer massiven Verfälschung der Temperaturdaten führen.
Zum Schluss nochmal den Vergleich von RSS global, HADCRUT3 und GISSTEMP:


Man sieht bei HADCRUT3 einen recht gleichmäßigen Anstieg der Abweichung über die ganze Zeitdauer. Der Unterschied im Anstieg zwischen Satelliten global und HADCRUT3 nach 36 Jahren: 0,08°C, also acht Hundertstel, das sind ca. 0,02°C pro Jahrzehnt. 

Der Unterschied zwischen RSS und GISSTEMP beträgt 0,3°C, wobei 0,15°C in 13 Jahren aufgelaufen sind. Das sind ca. 0,12°C ABWEICHUNG pro Jahrzehnt. Vor allem sieht man einen unnatürlichen Sprung nach 2002, und der Trend läuft in die andere Richtung als bei HADCRUT3 und RSS. Das sieht nicht nach einer gleichmäßigen statistischen Funktion aus, sondern nach einem bewussten Eingriff. Als hätte man einen Hebel umgelegt.            

Und nun möchte ich mich noch nicht völlig von dem Thema verabschieden. Möglicherweise lässt sich sogar noch ein Anteil des geringen Anstiegs zwischen RSS und Hadcrut mit etwas anderem erklären als mit dem Wäremeinsel-Effekt.

Es bleibt weiterhin spannend...

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